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Historisches

Die Wurzeln der Altersmedizin gehen schon auf Hippokrates (450 v. Chr.) zurück, der erkannte, dass Krankheiten im Alter nach einem anspruchsvolleren Konzept zu behandeln sind als beim jungen Erwachsenen.
Zuvor waren in der Tradition der Antike traditionell die Symptome des Greisenalters keine Erkrankung sondern unabwendbare und natürliche Lebenserscheinungen. Der Arzt war von der Verantwortung für den chronischen Verlauf dieser unvermeidbaren Krankheiten enthoben.

Viele historische Mediziner-Persönlichkeiten, darunter Gabriele Zerbi (1445-1505) oder David de Pomis (1525-1593), verfassten bereits Schriften, in denen sie sich mit den Besonderheiten der Krankheiten im Alter befassten. Angesichts der geringen Zahl an „Senioren“ im Mittelalter und in der Neuzeit setzte sich keine einheitlich Lehre im Sinne einer spezialisierten Altersmedizin durch.

Als sich im 19. Jahrhundert in der Humanmedizin Teildisziplinen bildeten, befasste sich unter Anderem der Ökonom Sir John Bart Sinclair (1754-1835) mit den sozialmedizinischen Aspekten der alternden Gesellschaft. Die Ärzte Burkhard Wilhelm Seiler (1779-1843) und Christoph Wilhelm Hufeland (1762-1836) sind zeitgenössische Autoren altersmedizinisch orientierter Werke.

Die eigentliche geriatrisch-therapeutische Arbeit beginnt wahrscheinlich 1930 mit der Chirurgin Dr. Marjorie Warren, die als Oberärztin die Verantwortung für ein mit ca. 700 Bewohnern belegtes Heim für chronisch Kranke und Gebrechliche in übernimmt. Warren entwickelte ein Klassifikationssystem, welches in groben Zügen unserem heutigen geriatrischen Assessment ähneln dürfte. Sie untersuchte systematisch alle Patienten und begann sie medizinisch und rehabilitativ zu behandeln. Hierbei ließ sie den psychischen und funktionellen Zustand der Menschen nicht außer acht. Mit ihrem Therapiekonzept gelang es ihr, die Hälfte der Senioren wieder nach Hause zu entlassen. Der Erfolg ihrer Behandlung gab ihr recht, neben dem systematischen Untersuchungsprogramm, eben dem Assessment die flächendeckende Errichtung spezieller altersmedizinischer Einrichtungen zu fordern.

Den Begriff Geriatrie prägte ein Österreicher Arzt namens Ignaz Leo Nascher (1863-1944), der seine medizinische Ausbildung begann, nachdem er nach New York ausgewandert war. 1908 besuchte er im heimatlichen Linz ein für diese Zeit sehr modernes „Versorgungsheim“ und war überrascht über die niedrige Sterberate der dortigen Senioren.
Dem Sachverhalt auf den Grund gehend erfuhr er von den Mitarbeitern dieser Einrichtung, man behandele die greisen Bewohner dort ähnlich individuell, wie die Pädiater in Kinderkrankenhäusern ihre Schutzbefohlenen.
In Anlehnung an die Bezeichnung Pädiatrie entstand so der Begriff Geriatrie und Nascher beschäftigte sich nach Rückkehr in die Vereinigten Staaten verstärkt und publikumswirksam mit der Medizin des fortgeschrittenen Lebensalters.

Im deutschen Sprachraum ist Max Bürger (1885-1965) hervorzuheben. Der Professor für Innere Medizin und Direktor der Medizinischen Klinik in Leipzig gründete 1938 die Gesellschaft für Altersmedizin. 1947 veröffentlichte er das bekannte Werk „Altern und Krankheit“.

Nachdem 1966 die Deutsche Gesellschaft für Gerontologie in Nürnberg und im gleichen Jahr die Deutsche Gesellschaft für Altersforschung in Leipzig gegründet wurde, konnte 1970 der erste Lehrstuhl für Geriatrie in Nürnberg etabliert werden. Die entstandene 1985 Deutsche Gesellschaft für Geriatrie fusionierte mit den beiden erstgenannten Gesellschaften zur Deutschen Gesellschaft für Geriatrie und Gerontologie, die noch heute Bestand hat und sich einer wachsenden Mitgliederzahl erfreut.

Kürzlich feierte die Geriatrie im Bundesland Bayern, wo sie wie oben beschrieben gerade im fränkischen Raum eine tiefe Tradition aufweist, ihren 25-jährigen „Geburtstag“. 1986 konnte in Bayreuth die erste geriatrische Klinik eröffnet werden, die heute an zwei Standorten Akutgeriatrie, Geriatrische Rehabilitation und eine geriatrische Tagesklinik anbietet.

In Marktheidenfeld können wir mit dem Beginn der Arbeit in der Geriatrischen Rehabilitation 1996 ebenfalls auf eine gute Tradition verweisen. Nach 15 Jahren erfolgreicher Tätigkeit zum Wohle unserer betagten Patienten wurde 2011 die Abteilung für Akutgeriatrie eröffnet, die das altermedizinische Spektrum hervorragend ergänzt.

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