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Geriatrisches Assessment

Der Begriff Assessment lässt sich am einfachsten mit dem Wort „Bestandsaufnahme“ übersetzen. Anders als in den althergebrachten Teildisziplinen der Humanmedizin stellt sich bei den individuellen Funktionsstörungen des betagten Patienten das Problem, dass sie so schwer mit einem gängigen Messsystem abzubilden sind.
Wir können Körpergewicht, Blutdruck und Herzfrequenz, Temperatur oder zahlreiche Laborwerte messen. Aber wie messen wir Vergesslichkeit? Oder mit welchem Maß kann der alte Mensch abgebildet werden, der sich gerade beklagt hat, er benötige Hilfe beim Toilettengang?

Hier greift das geriatrische Assessment. In verschiedensten Teilbereichen der geriatrischen Funktionsstörungen wurden mittlerweile „Mess“-Instrumente entwickelt, die sich weltweit als Standard im Untersuchungsprogramm des alten Patienten etabliert haben. Auch wenn sie zunächst selbst in der medizinischen Fachwelt etwas fremd erscheinen, liefern sie doch einen sehr guten Überblick über die Ressourcen, die den betroffenen Menschen noch zur Verfügung stehen. Sie eignen sich sogar als Verlaufsbeobachtung und als Maß für den Erfolg einer geriatrischen Behandlung.

Am bekanntesten sind Tests zur Beurteilung des Selbsthilfebedarfs (Barthel-Index), der verbliebenen Denkfähigkeiten (Mini-Mental-State-Test), des seelischen Befindens (Geriatrische Depressionsskala) und der Mobilität (Tinetti-Test, Timed up an Go-Test). Im Geriatrischen Zentrum des Klinikums Main-Spessart werden bei allen Patienten neben diesen Testverfahren standardisiert noch weitere Daten wie zum Ernährungsstatus, zur Körperpflege und zum Risiko eines Dekubitus (Wundliegen) erhoben.

Mit einem seit vielen Jahren in Bayern etablierten und von nahezu allen geriatrischen Institutionen dieses Bundeslandes vergleichend eingesetzten Computerprogramm werden die Testergebnisse dokumentiert und gemeinsam mit anderen Daten (z.B. Diagnosen, Medikation, Aufenthaltsdauer, Zufriedenheit subjektiv und objektiv, Weiterversorgung) anonym archiviert. Damit können die beiden geriatrischen Einrichtungen in Marktheidenfeld ihre Behandlungsergebnisse in einen direkten Vergleich mit allen anderen teilnehmenden geriatrischen Kliniken Bayerns stellen und somit einen wesentlichen Beitrag zur Qualitätssicherung leisten.

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