Stürze
Wer einmal stürzt...
Nach neueren Untersuchungen kommt es zu 150 Stürzen pro 100 Altenheimbewohner und Jahr. Bei etwa 10 % der Stürze sind Frakturen die Folge. Bei Frauen führt einer von drei Stürzen zur Fraktur, bei Männern nur einer von vier. Bei den meisten der Frakturpatienten gingen dem Fraktursturz Stürze voraus, die ohne schwerere Verletzungen abliefen. Besieht man sich die verschiedenen Frakturen, so lässt sich erkennen, dass "jüngere" Patienten eher eine Radiusfraktur, "ältere" Patienten eher eine hüftgelenksnahe Fraktur erleiden. Aber auch einer Radiusfraktur gehen genauso wie einer hüftgelenksnahen Fraktur in der Regel ein bis zwei glimpfliche Stürze voraus. Die Patienten leiden also an dem gleichen Problem, dass sich ganz allgemein als geriatrisches Sturzsyndrom beschreiben lässt. Das bedeutet, dass auch ein Patient mit Radiusfraktur einer Ursachenforschung und ggf. eines Gangsicherheitstrainings bedarf.
Sturzgefährdet oder nicht? Ein kurzer Test gibt Aufschluss!
Der aufrechte Gang wurde erst durch die Ausprägung der Gesäßmuskulatur möglich. Eine Schwächung durch sitzende Tätigkeit, allgemeinen Bewegungsmangel, schmerzbedingte Immobilisation oder ähnliches kann die Sturzgefahr erhöhen. Für das Hinsetzen und Aufstehen von einem Stuhl benötigt ein gesunder Mensch etwa 2 Sekunden. Beim Chairrising-Test bittet man die zu untersuchende Person so schnell sie kann mit vor der Brust verschränkten Armen fünfmal von einem Stuhl aufzustehen und sich wieder hinzusetzen. Benötigt sie länger als 11 Sekunden besteht Sturzgefahr. Dieser Test korreliert besser mit der Sturzgefährdung als umfangreiche Teste wie der Tinetti und der Timed up and go. Lediglich der Tandemstand kann mithalten: Kann ein Patient länger als 11 s stehen, wenn er einen Fuß vor den anderen stellt, als wenn er auf dem Seil ginge, ohne das Gleichgewicht zu verlieren, ist er sicher.
Gefahr im Krankenhaus! Sturzrisiko an Bett und Türen
Eine Gruppe österreichischer Pflegekräfte untersuchte die Orte von Stürzen im Krankenhaus. Dabei wurden der Bereich rund um das Bett und Türen mit Rückholfedern als besonders gefährlich identifiziert.
„Je elder desdo schnaller: kaum stollberste – scho liechste!“
Eine 85 jährige Herzpatientin aus Lohr am Main
Belastbarkeit
Körperliche Betätigung im Alter
Eine kanadische repräsentative Umfrage stellte 1982 eine hohe Varianz des Ausmaßes körperlicher Aktivität bei Älteren und eine Abnahme mit zunehmendem Alter fest. In der Altersgruppe von 20 – 24 Jahren bezeichneten sich 46 % der Männer und 34 % der Frauen als körperlich moderat bis sehr aktiv, in der Altersklasse über 65 Jahren nur 22 % der Männer und 15 % der Frauen. Die körperliche Aktivität der Hochbetagten (Alter >75 Jahre) in Deutschland besteht bestenfalls aus leichter Hausarbeit, Einkaufen, Gartenarbeit und spazieren gehen. Von 1042 im Jahre 1988 untersuchten zu Hause lebenden Älteren wiesen Frauen >75 eine durchschnittliche Gehzeit von 15 min/Tag auf. 60 % der Frauen gingen überhaupt nicht außerhalb des Hauses und übten keinerlei Freizeitaktivitäten außerhalb des Hauses aus. In einer 1993 veröffentlichten Studie an 6981 mobilen zu Hause lebenden Älteren über 65 Jahre verloren während eines Zeitraumes von 4 Jahren 36 % der Untersuchten ihre Fähigkeit Treppen zu steigen oder eine halbe Meile zu gehen.
Pausen beim Training vermeiden Blutdruckspitzen
Bisher wurde vom Krafttraining für Patienten mit Herzkreislauferkrankungen abgeraten. Begründung war der gefährliche Anstieg des Blutdruckes im Verlauf mehrerer Kontraktionen. Forscher der Sporthochschule Köln fanden kürzlich heraus, dass sich der Blutdruckanstieg unter der Belastung beim Krafttraining vermeiden lässt, wenn zwischen den einzelnen Kontraktionen eine Pause von 1,5 Sekunden eingehalten wird. So können auch Herz- und Hochdruckpatienten mit 80% der Maximalkraft ohne Risiko ein effektives Krafttraining betreiben. Der Trainingseffekt ist nur geringfügig geringer als der bei Training ohne Pausen. Der Nutzen für Patienten mit Osteoporose oder Sturzgefahr aber erheblich.
Grenzen der Belastbarkeit
Die Belastbarkeit eines Menschen kann man nach der folgenden Formel abschätzen: Frauen: Gewicht x 2,5 – 10 % pro Lebensdekade Männer: Gewicht x 3 – 10 % pro Lebensdekade über 30 Das Ergebnis in Watt ist die bei der Ergometrie erreichbare Leistung. Beispiel: eine 70 Jahre alte 60 kg schwere Frau wäre mit einer Belastbarkeit von 45 W bereits beim Treppensteigen (50 bis 75W) an ihrer Belastungsgrenze!
Behinderung führt zur kardiopulmonalen Überlastung
Eine Halbseitenlähmung erhöht die Kreislaufbelastung um mindestens 50%, eine Unterschenkelamputation ebenfalls. Das Gehen mit Unterarmgehstützen belastet durch den Einsatz der Schultergürtelmuskulatur je nach Einsatz der Beinmuskulatur erheblich. Bei Entlastungspflicht nach Frakturen und Gelenksersatzoperationen kann so leicht eine Zusatzbelastung von 50% und mehr erreicht werden. Die Fortbewegung mit einer Prothese und zwei Unterarmgehstützen nach Oberschenkelamputation kann die Belastung für das kardiopulmonale System verdoppeln!
Zur täglichen Körperpflege gehört neben Zahn-, Haar- und Hautpflege auch die Muskelpflege durch Dehnung und Kräftigung.